AIDA oder Mein Schiff
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Was macht das Pferd im Hühnerstall?

Reisebericht erstellt von: bellamarianna
Reederei: Phoenix Reisen | Schiff: MS Artania
Reisezeitraum: vom 09.02.2013 bis 01.03.2013

Was macht das Pferd im Hühnerstall? Wurmartig zusammengekrümmt und ächzend am Boden meiner Schiffskabine, Wellen schlagen meterhoch an den Bug, werfen das Boot nach links und rechts und wieder zurück, ungesicherte Gegenstände im Zimmer wirbeln unkontrolliert herum, alle Balkone gesperrt, Spucktüten im gesamten Schiffsinnenraum verteilt. Seestärke 8 und Seekrankheitsstärke 2. Sie kennen die 4 Stufen der Seekrankheit nicht?

  • Stufe 1: Sie fühlen sich sterbenselend, zittern und übergeben sich. Ihnen ist so schlecht, dass Sie nicht mehr aufrecht stehen können und das Geschaukel nur noch in der Horizontalen irgendwie aushalten können. Schweißgebadet liegen Sie dort, bis die nächste Brechattacke Sie aus Ihrem Bett zwingt.
  • Stufe 2: Die Übelkeit hat zugenommen, der Schwindel und der Brechreiz und nun denken Sie, Sie würden sterben.
  • Stufe 3: Sie wünschen sich, zu sterben
  • Stufe 4: Sie realisieren, dass man an Seekrankheit nicht sterben kann.

Was hat mich geritten, mich auf diese Fahrt zu begeben? Die Aussicht auf Sonne im Schneestumgeschüttelten Februardeutschland? Erholung statt hartem Arbeitsalltag? Die Entdeckung eines neuen Kontinentes? Was auch immer es war, hier auf dem 70er Jahre Teppich meiner Kabine fühle ich mich fast wie ein Blumenkind – mit viel zu viel halluzinogenen Substanzen im Blut.

Immerhin verhindert dieser an sich unerfreuliche Umstand ein weiteres abendliches Trauerspiel am Buffet und hat dann damit auch wieder sein Gutes. Gestern zum Frühstück gab es bspw. Obstsalat, heißen Tee und das zweifelhafte Vergnügen der Gesellschaft eines Ehepaares, welches geschlagene 45 Minuten kein einziges Wort getauscht hat – mit niemandem! Am Vorabend saß ich einem ca Jahre älteren Herrn gegenüber, der nach dem Digestif ohne Vorwarnung begann, mich zu duzen und dazu eifrig abtastete, good Lord!

Aber nein, nicht jedes Dinner verlief nach diesem Schema. Da gab es noch Geschichten über Rheuma, Arthrose, Herzversagen und den letzten Stuhlgang von vorletzter Woche.

Viel abwechslungsreicher gestaltete sich da schon das Tagesprogramm. Vorträge über Schon- und Reizklima, Beckenbodenschwäche und das Manövrieren des Rollators in den engen Schiffsgängen, gewürzt mit etwas Gymnastik an der Reling und dem obligatorischen Bingo. Sind Sie über 75 Jahre, haben Sie hier die Zeit ihres Lebens. Sind Sie 35 vergeht hier viel wertvolle Lebenszeit. Momentan fühle ich mich hier so wohl, wie eine 14jährige im Kindergarten, eine 40jährige auf einer Abifeier, eine Rentnerin in einem DeepHouse und HardTrance Club – oder, wie mein Mathelehrer immer zu sagen pflegte: Äh, was macht das Pferd im Hühnerstall?

Mitunter fange ich mitleidige Blicke von meinen liebenswürdigen Mitreisenden auf und ebensolche Worte: „Ach, Sie Arme, für Sie gibt es ja hier gar nichts zu tun!“ Das stimmt so nicht ganz. Morgens früh um 6 startet die sanfte Morgengymnastik für Frühbegeisterte. Mittags lerne ich häkeln und wie man emails versendet. Am Abend bin ich dann schon fast zu erschöpft zum lustigen Volksmusikabend oder zur Modenschau mit den neuesten Großpunkt-Hauskleidern der Saison.

Aber alles geht einmal zu Ende, das zum Trost.

Übrigens, man kann es auch ganz anders machen! Mit TUI verbringt man Schiffsreisen generationsübergreifend mit Angeboten für Passagiere von 1-111.

Heute Abend gestaltet das Meer unser Programm und die Natur sorgt doch immer wieder für Gleichberechtigung. Generationsübergreifend fühlen sich heute zumindest alle besch…

Schuld daran ist übrigens ein Zyklon, welcher auf den hübschen Namen „Rusty“ hört – bevor wir in seine Ausläufer gerieten, wusste ich nicht einmal was ein solcher ist. Doch ein Gegenrezept macht bereits die Runde: russische Stabilisatoren. Ein Wodka fürs rechte Bein, ein Wodka fürs linke Bein – in Notfällen auch zwei für jede Seite. Und wenn dieses Rezept versagt? Dann war der Wodka schuld.

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