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Frachtschiffreise nach New York
AIDA oder Mein Schiff
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Frachtschiffreise nach New York

Wer wie ich Angst vor einer Flugreise hat, dem bleiben nur wenige Alternativen, in die USA zu kommen. Es bleibt eigentlich nur eine Schiffsreise. Da ein normales Passagierschiff eine Menge kostet und ich kein großer Freund von Abendkleidern und Tanztee bin, fiel meine Wahl auf eine Frachtschiffreise.

Zahlreiche Reedereien bieten Passagen auf ihren Frachtschiffen an, aber die Vorstellung auf einem riesigen Containerschiff den Atlantik zu überqueren, was gewöhnungsbedürftig. Viele meinen, man müsse an Bord arbeiten, wie zum Beispiel das Deck schrubben, Kartoffeln schälen oder ähnliches. Weit gefehlt. Man reist schließlich als Passagier mit und hat alle Zeit der Welt, sich zu entspannen, zu faulenzen und die Reise zu geniessen. Mit den Reiseunterlagen bekam ich einen Lageplan des Containerhafens mit der genauen Beschreibung des Liegeplatzes des Schiffes. Das Schiff zu finden, war damit kein Problem mehr.

Es folgte die Anmeldung beim Zahlmeister der sich meinen Pass ansah (der noch mindestens sechs Monate gültig sein muss) und mich herzlich an Bord begrüßte. In meiner Fantasie hatte ich mir die Koje als einen düsteren, fensterlosen Raum irgendwo in der Nähe des Maschinenraums mit reichlich Lärm vorgestellt, aber ich wurde eines Besseren belehrt.

Meine Kabine lag Steuerbord auf dem fünften Deck und war knapp 20 qm groß, hell und freundlich. Die Einrichtung war zweckmäßig, Bett, Tisch, Sessel, Kleiderschrank und ein Sofa. Die kleine Duschkabine mit WC und Waschbecken war zwar fensterlos, aber sehr sauber. Einziges Manko: Der Blick aus dem Bullauge fiel leider nicht auf das unendliche Meer, sondern auf einen roten Container.

Der erste Offizier informierte mich über die Gepflogenheiten an Bord und zeigte mir die wichtigsten Plätze. Das “Sonnendeck” zu Beispiel, ein kleines Plätzchen am Bug mit Liegestühlen. Drinks werden allerdings nicht serviert. Aber man kann an einer Art Kiosk an Bord einige Dinge kaufen, unter anderem auch ein Flasche Wein oder Bier und meine Kabine hat ja einen kleinen Kühlschrank.

Beim Abendessen in der Offiziersmesse werde ich dem Kapitän vorgestellt und er nimmt sich die Zeit mir etwas über das Schiff zu erzählen. Baujahr, Gewicht, Länge und ich staune. Er lädt mich ein, ihn einmal auf der Brücke zu besuchen. Das Schiff fährt unter deutscher Flagge, aber die Mannschaft kommt aus aller Herren Länder. Alle sind freundlich, zuvorkommend und immer zu einem Scherz aufgelegt.

Die Reisekosten werden pro Tag berechnet und liegen bei ca. 100,- US Dollar. Die Vollpension ist im Preis enthalten. Das Essen ist sehr abwechslungsreich, reichhaltig und sehr lecker. Frühstück und Abendessen gibt es in Büffetform und beim Mittagessen habe ich zwei Gerichte zur Auswahl plus Nachtisch. Zudem kann man sich den ganzen Tag über an großen Obstkörben bedienen.
Meine Kabine muss ich selbst sauberhalten, aber das ist kein Problem. Für die Wäsche stehen Waschmaschine und Trockner bereit, die ich mitbenutzen darf.

Für mich gibt es keinen festen Tagesablauf. Ich kann entweder in der Sonne sitzen und mir den Wind um die Ohren pusten lassen, lesen, träumen oder das Schiff erkunden. Es gibt keinen Stress oder irgendwelche Unterhaltungsprogramme, die Kleidung ist leger und der Umgangston locker.

Am sechsten Tag wird die See unruhig, ein Wetter zieht auf. Jetzt zeigt sich ein weiterer Vorteil einer Atlantiküberquerung auf einem Frachtschiff. Das große und schwere Schiff hat einen wesentlich tieferen Gang, als ein Passagierschiff. Trotz starkem Seegangs spüre ich die Bewegungen des Schiffes kaum. Es liegt stabil und fast ruhig in den Wellenbergen. Ich spüre keinerlei Seekrankheit. Würde ich krank, müsste mir der zweite Offizier helfen. Er ist in erster Hilfe ausgebildet, da kein Arzt an Bord ist. Im Notfall könnte er sogar kleine Operationen durchführen. Passagiere die das 65. Lebensjahr erreicht haben, müssen übrigens ein ärztliches Attest vorlegen. Noch ein großer Pluspunkt ist, das es keinen Jetleg gibt. Die Zeitverschiebung kommt langsam und behutsam, Tag für Tag.

Mit einem Tag Verspätung laufen wir schließlich in den Hafen von New York ein. Ich komme mir vor wie einer der Einwanderer des letzten Jahrhunderts. Die Freiheitsstatue, Ellis Island und die Skyline von Manhattan in der Mittagssonne. Es fehlt mir schwer, mich nach 11 gemeinsamen Tagen von der Mannschaft zu verabschieden, denn wir haben uns gut verstanden und den Heimweg werde ich mit dem Flieger antreten. Schiff, Kabine und Gastronomie bekommen von mir fünf Sterne. Einen Service im eigentlichen Sinn kann man auf einem Frachtschiff nicht erwarten und es gibt auch keine Landausflüge.

Wer individuell reisen möchte, viel Zeit hat und auf ein Programm mit Showeinlagen, große Luxuskabinen und einen Rundumservice verzichten kann, dem würde ich immer wieder eine Frachtschiffreise empfehlen. Es gibt nicht schöneres, als bei Sonnenuntergang an Deck zu sitzen und den Delfinen zuzusehen, die das Schiff begleiten.

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