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MS Deutschland

MS Deutschland: Zukunft bleibt ungewiss – auf dem Weg nach Algericas – Restwert deutlich unter 20 Millionen Euro?

Die Zukunft der MS Deutschland – das einzigste Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge – ist ungewisser denn je. Bereits vorgestern berichteten wir über die zweite Anleihe-Gläubigerversammlung der MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft mbH. Als Erweiterung dazu einige neue Informationen zum aktuellem Stand:

Wieviel ist die MS Deutschland noch wert?

Potentielle Käufer werden sich diese Frage stellen und auch die Gläubiger wird diese Frage natürlich brennend interessieren. Die MS Deutschland lief 1998 vom Stapel. Die Baukosten betrugen rund 110 Millionen Euro. 16 Jahre ist von diesem Wert aber nur noch ein Bruchteil übriggeblieben. Wie in anderen Bereichen auch ist die MS Deutschland technisch überholt. Der Wert des Schiffes wird die ausstehenden Schulden in Höhe von 56 Millionen Euro nicht decken können. Den deutlich größten Teil der Schulden macht dabei eine 50 Millionen Euro-Anleihe aus. Investoren werden sicherlich viel Geld verlieren.

Zum Restwert der MS Deutschland können wir nur Mutmassungen anstellen. Letztlich hängt ein Verkaufspreis auch immer stark von Angebot und Nachfrage ab. Aufgebrachte Investoren haben dem Schiff gar Schrottreife attestiert. Das dürfte aus den Emotionen heraus etwas übertrieben sein. Realistisch betrachtet dürfte aber schon ein Verkaufspreis von 20 Millionen Euro nicht mehr möglich sein. Mit Blick auf verschiedene Stimmen erscheint ein Wert von 10 Millionen Euro realistisch zu sein.

Schaut man sich den Kommentar vom Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Christian Luber, LL.M., M.A., von der auf Kapitalmarktrecht spezialisierten Kanzlei CLLB Rechtsanwälte mit Büros in München, Berlin und Zürich an, so kann man sich schon die Frage stellen, ob da nicht noch ein juristisches Nachspiel anstehen könnte:

Wie sich nun aber in der Gläubigerversammlung heraus gestellt hat, liegt der Wert des Schiffes – je nachdem, ob man von dem Schrott- oder Verkaufspreis ausgeht – bei maximal 10 Millionen Euro. Das gegenteilige „Wertgutachten“ über vorgeblich € 100 Millionen US-Dollar umfasst gerade einmal 2 Seiten und wurde für eine Preis von 450,00 € erstellt. Von einem fundierten Wertgutachten kann somit keine Rede sein. Darüber hinaus wurde anscheinend die Schiffshypothek nicht wirksam bestellt, was zur Folge hätte, dass die MS Deutschland gerade nicht als Sicherheit vorrangig für die Anleihegläubiger zur Verfügung steht. Der Emissionsprospekt ist daher nach unserer Bewertung fehlerhaft.

Was passiert aktuell auf der MS Deutschland?

Die MS Deutschland hat Cadiz bereits gestern verlassen. Dort war ein Werftaufenthalt geplant. Angesichts der finanziellen Situation konnte dieser allerdings nicht durchgeführt werden. Verständlicherweise verlangt die Werft nun Vorkasse. Aktuell befindet sich die MS Deutschland auf See und fährt in die Straße von Gibraltar ein. (Auf marinetraffic.com sieht man den aktuellen Standort.) Ihr Zielort soll Algericas in der Bucht von Gibraltar sein. Hier sollen Taucher das Schiff begutachten und so eine Verlängerung der Klassizierung ermöglichen. Dies dürfte ein günstiger Weg sein, die kommenden Kreuzfahrtbuchungen durchführen zu können. Vorausgesetzt das Schiff besteht diese.

Eine etwas andere Geschichte hat man bei Schiffe und Kreuzfahrten parat. Dort verweist man darauf, das Algericas in der Bucht von Gibraltar liegt. Gibraltar selber sieht man dort als Versteigerungsparadies und verweist darauf, dass eine Arrestierung von Schiffen in Gibraltar nahezu aussichtslos sei. Möglich dass dieser Schritt sinnvoll wäre, wenn einer der sicherlich zahlreichen Gläubiger mit mit einer Arrestierung vorpreschen könnte. Das würde einer Verkauf natürlich deutlich erschweren und könnte einen geringeren Verkaufserlös bedeuten. Insolvenzverwalter und Gläubiger streben hier wohl auf einen freihändigen Verkauf und wollen nicht unbedingt den Weg einer Zwangsversteigerung gehen.

Was wird aus den geplanten Kreuzfahrten?

Wer bereits eine Kreuzfahrt auf der MS Deutschland gebucht hat, sieht natürlich etwas bangend darauf, ob seine Reise auch stattfinden wird. Dies ist aktuell sehr ungewiss. Laut Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber arbeitet man mit Hochdruck an diesem Punkt und möchte hier spätestens am kommendem Mittwoch Klarheit schaffen. Es ist zu vermuten, dass man hier aktuell einfach die Begutachtung durch Taucher abwartet. Es erscheint eher zweifelhaft, dass es noch zum Werftaufenthalt kommen könnte. Dafür läuft die Zeit aktuell davon. Am 18. Dezember sollte die MS Deutschland auf ihre Weltreise starten. Wer bereits gebucht hat, kann da aktuell nur bis zur Entscheidung am kommendem Mittwoch abwarten.

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