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MS Deutschland

MS Deutschland: Gläubiger streben einen Verkauf an

In München fand heute die zweite Anleihe-Gläubigerversammlung der MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft mbH statt. Hier standen drei Kandidaten zur Wahl des gemeinsamen Vertreter für alle Anleihegläubiger. Stefan Ulrich von STU Management Partners gewann die Wahl mit 56 Prozent. Über weitere Ergänzungsanträge konnte hingegen heute nicht abgestimmt werden. Hierfür wären die Anwesenheit von 50 Prozent der Stimmberechtigten notwendig gewesen – es waren allerdings nur 46 Prozent anwesend.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber (Reimer Rechtsanwälte) kommentierte die Wahl wie folgt:

Wir haben somit einen gemeinsamen Bevollmächtigten und sind in der Lage das Schiff schnell freihändig zu verkaufen. Derzeit gibt es zwei Interessenten.

Allerdings äußerte Schmid-Sperbe auch, dass bisher noch kein akzeptabler Preis geboten wurde. Die MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft mbH belastet ein Schuldenberg in Höhe von 56 Millionen Euro. Hiervon entfallen 50 Millionen Euro auf Anleiheschulden.

Weltreisestart am 18. Dezember ist ungewiss

Ungewiss ist aktuell, ob die MS Deutschland am 18. Dezember auf ihre geplante Weltreise starten kann. Es fehlt das Geld für den anstehenden Werftaufenthalt. Die MS Deutschland befindet sich bereits auf dem Weg ins spanische Cádiz. Hier ist ein Werftaufenthalt geplant und auch zwingend erforderlich. Ohne diesen Werftaufenthalt darf das Kreuzfahrtschiff ab Dezember nicht mehr eingesetzt werden. Die Kosten für diese Klasseprüfung werden auf rund 2 Millionen Euro geschätzt. Damit stehen natürlich auch die 2015 wieder anstehenden Dreharbeiten des ZDF in der Schwebe.

Zufrieden zeigte sich Insolvenzverwalter Schmid-Sperber mit der Buchungslage. Er bezeichnete diese als gut und verwies darauf, dass von über 2.000 vorliegenden Buchungen lediglich 6 Buchungen storniert wurden.

Kein Massedarlehen = Keine Weltreise?

Besonders problematisch scheint, dass auf der Gläubigerversammlung nicht die Hälfte der Gläubiger anwesend war. So konnte nicht über die Ergänzungsanträge beschlossen werden. Hier ging es unter anderem um ein Massedarlehen mit einer Höhe von bis zu 10 Millionen Euro. Dieses hätte es der Gesellschaft erst einmal ermöglicht den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten und natürlich vor allem den Werftaufenthalt durchzuführen.

Ob eine Mehrheit diesem Antrag zugestimmt hätte, ist natürlich ungewiss. Der Antragsteller (Pensionskasse HT Troplast VVaG) verfügt aber immerhin schon über 16,01 Prozent der Stimmen. Ohne dieses Massedarlehen erscheint die Durchführung der Weltreise unmöglich. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier kurzfristig noch eine Lösung findet.

Einschätzung

Es erscheint immer noch am wahrscheinlichstem, dass die MS Deutschland dem deutschem Markt erhalten bleibt. Hierzulande hat das Schiff eine große Bekanntheit und ist eine Marke. Die große Frage ist allerdings in welcher Form dies Geschehen könnte. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten.

Es erscheint unwahrscheinlich, dass die MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft mbH in dieser Form eine Zukunft hat. Hierzu müssten sich Gläubiger und ein potentieller Investor einigen können. Vermutlich wird das Schiff verkauft und in eine neue Firma eingebracht. Der neue Schiffseigner wird sicherlich ein „unbelastetes“ Schiff wollen.

Der neue Eigner könnte es dann allerdings sogar weiterhin von der Reederei Deilmann bereedern lassen. Wobei die Deilmann-Zukunft natürlich aktuell ebenso ungewiss ist. Nichtzuletzt stellt die aktuelle Situation natürlich auch einen weiteren nicht unerheblichen Image-Schaden dar. In dem Fall gibt es aber sicherlich immer noch 2-3 alternative deutsche Reedereien für die MS Deutschland.

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