AIDA oder Mein Schiff
MS Amadea
Foto © Phoenix Reisen

MS Amadea: Passagiere klagen wegen Traumschiff-Dreharbeiten

Wie der Bonner General-Anzeiger berichtet, haben vor dem Amtsgericht Bonn (Aktenzeichen: 111 C 423/15) Passagiere der MS Amadea wegen Dreharbeiten während ihrer Kreuzfahrt Klage eingereicht. Gedreht wurde für die ZDF-Series „Das Traumschiff“. Nach der Insolvenz der MS Deutschland hatte man sich beim ZDF für die MS Amadea als das neue Traumschiff entschieden.

Die klagenden Passagiere geben an, dass sie sich von den Dreharbeiten gestört gefühlt hätten. Es war für sie immerhin schon die 20. Kreuzfahrt. Diese führte von von Vietnam nach Neuseeland. Auf der Reise sei ohne Vorankündigung plötzlich das Filmteam an Bord gekommen. So sei dann aus einen erholsamen und ruhigem Kreuzfahrturlaub nichts geworden.

Die Filmcrew sei ständig auf dem Schiff unterwegs gewesen. Sie seien an ihrer Kabine vorbeigelaufen und hätten überall Kabel verlegt. Einmal – so berichtet der Kläger, ein pensionierter Veterinär – sei es auf dem Sonnendeck eingeschlafen und eingekreist von Arbeiten des Drehteams wieder aufgewacht. Sie berichten außerdem auch von einer Geräuschkulisse mit Hämmern, Sägen und Megafondurchsagen.

Der 82-jährige Kläger und seine 79 Jahre alte Frau fordern nun wegen des Reisemangels 2050 Euro des 11 080 Euro teuren Reisepreises zurück. Hätten sie von den Dreharbeiten gewusst, so hätten sie die Kreuzfahrt nicht gebucht.

Phoenix wird durch den Anwalt Wolfgang Pröhl vertreten. Dieser gesteht ein, dass die Passagiere nicht eigens über die Dreharbeiten informiert wurden. Es sei allerdings in allen Medien darüber berichtet worden. Zudem sei jeden Tag angekündigt worden, an welchen Orten an Bord die Dreharbeiten stattfinden werden. So hätte man diese Plätze meiden können.

Zudem seien die meisten Passagiere über die Dreharbeiten begeistert gewesen. So hätten sich mehr Passagiere für Statistenrollen gemeldet, als benötigt wurden.

Die Richterin hat in einer ersten Einschätzung einen gewissen Reisemangel gesehen, da die Gäste nicht über die Dreharbeiten informiert wurden. Sie rät den Parteien zu einem Vergleich und schlägt hierfür 10 Prozent des Reisepreises vor. Der Kläger möchte jedoch 200 Euro mehr und sieht dies als nicht verhandelbar. Beide Seiten haben nun drei Wochen Zeit für eine gütliche Einigung – dann wird die Richterin ein Urteil fällen.

Es wird aber nicht bei dieser Klage bleiben. Für Januar steht die nächste Klage in derselben Sache an. Ein Paar fordert hier 4.597 Euro zurück.

Einschätzung

Es scheint darauf hinauszulaufen, das Phoenix Reisen eine kleine Entschädigung zahlen wird müssen. Das Glück von Phoenix Reisen dürfte sein, dass die meisten Passagiere die Dreharbeiten begrüßen und spannend finden. Das dürfte die Zahl der Klagen vermutlich klein halten. In Zukunft wird man dann sicherlich rechtzeitig auf die Dreharbeiten während der Kreuzfahrt hinweisen.

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2 Kommentare

  1. Helmuth Christen

    ihre eischätzung zum verfahren ist für mich nur so zu erklären das sie weiterhin gute geschäfte mit phönix machen wollen !
    ich war als weltreisender zu dem zeitpunkt der aufnahmen an bord. zu allgemeinen information darf ich mitteilen das für mich hier die grenze des zumutbaren weit überschritten war !
    das mitreisende „so wenig klagen“ hat mit sicherheit etwas mit der altersstruktur der gäste zu tun. die amadea war auf der tour -für mich- ein schwimmendes altenheim ,mit mitte 60 war man ein junger hüpfer. das nur so nebenbei.
    etwa 70% der mitreisenden mit den ich gesprochen habe fanden das tatsächlich gaanz toll mit den „stars“ . 30% fanden es nicht lustig,dank ihres alters wollte ein großteil von ihnen aber nichts gegen phönix unternehmem. nur 10% davon wollten dagegen vorgehen und phönix verklagen,davon verbleibt dann eventuell die hälfte, dazu gehöre ich und die sache läuft.
    das die amadea für mich im allgemeinen nicht das hält was versprochen wird kann auf verschiedenen bewertungsforen nachgelesen werden ,aber auch dort ist zu merken das negative berichte meist nur von „jüngeren“so um die 60 kommen!
    merke :alleine der drohnen einsatz ist war ein unglaublicher rechtsverstoß !

  2. Danke für die interessante Einschätzung. Wie störend Dreharbeiten an Bord sein können, kann ich aus eigener Erfahrung nicht einschätzen.

    Meine Absicht war nicht Phoenix in Schutz zu nehmen. Sie haben einen Fehler gemacht und mit den Klagen und Schadensersatzzahlungen müssen sie daraus jetzt lernen und werden künftig diesen Fehler wohl nicht noch einmal machen. Damit wäre die Sache für mich aber auch erledigt und unsererseits behalten wir im Auge, ob man sich den gleichen Fehler noch einmal erlaubt.

    P.S. Mit Phoenix Reisen hatten wir bis heute geschäftlich noch nichts direkt zu tun. Da schon eher mit AIDA und dort hat es uns nicht davon abgehalten kritisch über die Verschiebung und Umbuchungen der AIDAprima zu berichten.