AIDA oder Mein Schiff
AIDAprima

Mitsubishi-Werft: Verluste durch Bau der 2 AIDA-Kreuzfahrtschiffe türmen sich auf 720 Millionen Euro

In Japan wird man den Auftrag von AIDA Cruises zum Bau von zwei Kreuzfahrtschiffen mittlerweile vermutlich verteufeln. Es entwickelt sich zu einem stetig wachsendem Verlustgeschäft. Bereits im April hatten wir berichtet, dass mit dem Bau der beiden Schiffe der Hyperion-Klasse ein Verlust in Höhe von rund 400 Millionen Euro eingefahren wird. Nun hat sich diese Summe noch einmal fast verdoppelt.

720 Millionen Euro

Letztlich hat Misubishi Heavy Industries für das Geschäftsjähr 2013\14 einen außerordentlichen Verlust von 64.126 Millionen Yen in die Bücher aufgenommen. Beim heutigem Umrechnungskurs wären dies sogar 450 Millionen Euro. Aber selbst dieser riesige Verlust hat noch nicht ausgereicht. Für die ersten 6 Monate des Geschäftsjahres 2014\15 hat Mitsubishi Heavy Industries nun noch einmal einen außerordentlichen Verlust in Höhe von 39.841 Millionen Yen verbucht. Das sind umgerechnet noch einmal rund 280 Millionen Euro. Die Gesamtverluste türmen sich damit bereits auf insgesamt 720 Millionen Euro auf.

Für den Konzern Mitsubishi Heavy Industries ist das natürlich unschön, aber auch zu verkraften. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2013\14 bei umgerechnet 23,5 Milliarden Euro. Trotz der 450 Millionen-Belastung konnte man knapp über 1 Milliarde Euro Gewinn ausweisen. Die weiteren 280 Millionen Euro fallen erst in das laufende Geschäftsjahr 2014\15.

Was hat zu den Problemen beim Bau der Hyperion-Schiffe geführt?

In einer Mitteilung nimmt Mitsubishi Stellung zu den bisher und weiterhin auflaufenden Verlusten und erklärt die Gründe. Demnach sind als erstes Probleme bei der Konstruktion des Prototypen aufgetaucht. Das Volumen der Entwurf- und Konstruktionsarbeiten für die Kabinen und anderen Bereiche hat die Erwartungen deutlich überstiegen und signifikante Design-Änderungen waren erforderlich. Dies hat dann dazu geführt, dass die gesamten Entwurf- und Konstruktionsarbeiten verzögert wurden. Das hat nicht nur direkte Kosten produziert, sondern auch den Zeitplan über den Haufen geworfen. Soweit die Erklärung für die ersten 450 Millionen Euro außerordentlichen Verluste.

Im März 2014 hat MHI eine neue Projektmanagementstruktur aufgesetzt und die Konstruktion fortgesetzt. In Abstimmung mit den Spezifikationen des Kunden (also AIDA Cruises) wurden dann aber weitere Veränderungen am Basis-Konstruktionskonzept für das gesamte Layout der öffentlichen Bereiche, Kabinen und weiteren Bereiche notwendig. Die Folge waren eine große Anzahl an Überarbeitungen und eine deutliche Verzögerung des Zeitplanes.

Auch wenn MHI die Ressourcen für das Projekt erhöht hat und weitere Maßnahmen ergriffen hat, war im zweitem Quartal eine Überarbeitung des Zeitplanes für die Konstruktion des ersten Schiffes (der AIDAprima) notwendig. Dies hat gleichzeitig zu einem Konstruktionsrückstand beim Bau des zweiten Schiffes geführt.

Im Ergebnis erwartet Mitsubishi weitere Kosten durch die Veränderungen, zusätzliche Materialkosten sowie den Aufwand die verlorene Zeit wieder gutzumachen. Um diesem Vorzubeugen hat man nun nochmals einen außerordentlichen Verlust in Höhe von 280 Millionen Euro verbucht.

Schon die Ablieferung des ersten Schiffes der Hyperion-Klasse – die AIDAprima – musste vom Frühjahr auf den Oktober 2015 verschoben werden. Dabei musste AIDA Cruises sogar geplante Kreuzfahrten wieder absagen und umplanen. Es ist sehr stark zu vermuten, das MHI auch das zweite Schiff der Hyperion-Klasse nicht pünktlich an AIDA Cruises übergeben kann. Bisher gibt es zum geplantem Frühling 2016 aber noch keine neuen Informationen.

Einschätzung

Aus Sicht von AIDA Cruises: Sicherlich eine ärgerliche Geschichte. Finanziell dürfte es aber keine nennenswerte Belastung sein. Mit Mitsubishi Heavy Industries hat man Festpreise vereinbart und für die verzögerte Ablieferung wird sicherlich ebenfalls MHI mit „dicken“ Strafzahlungen grade stehen müssen. Diese dürften auch einen nicht unerheblichen Teil der außerordentlichen Verluste darstellen. Darauf geht man aber leider in der Mitteilung nicht ein.

Nachdem AIDA zuletzt sieben Schiffe einer Klasse gebaut hatte, steht auch ein wenig die Frage im Raum, ob man es bei der Hyperion-Klasse wirklich bei zwei Schiffen belassen wollte und ob man nach diesem „Desaster“ in Japan oder auf einer andere Werft noch Schiffe dieser Klasse bauen lassen wird. Diesen günstigen Preis (dürfte etwa bei 455 Millionen Euro pro Schiff liegen) wird man aber sicherlich nicht noch einmal bekommen.

Aus Sicht von Mitsubishi Heavy Industries: Vermutlich sehnt man den Tag herbei an dem der Alptraum endlich ein Ende hat und die beiden Schiffe Japan verlassen haben. Gerüchte, dass man damit den Kreuzfahrtschiffbau auch schon wieder aufgeben möchte, machen nun schon eine Weile die Runde. Eine offizielle Stellungnahme gibt es dazu nicht – wird es vielleicht auch nie geben.

Aus Sicht der Meyer Werft: Nach dem aggressivem Preisangebot von MHI mag man sich ein wenig Häme wohl nicht verkneifen können … aber am schönstem wäre für die Werft sicherlich wenn MHI sich nach diesem Misserfolg wieder aus dem Bau von Kreuzfahrtschiffen verabschieden würde. Die nächste Asien-Konkurrenz wird wohl aus China einen Versuch starten. Man darf aber auch hier einen sehr steinigen Weg erwarten …

Video vom Float-Out-Manöver

Den Stand der Konstruktionsarbeiten an der AIDAprima vor 5 Monaten zeigt das folgende schöne Video des Float-Out-Manövers:

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