AIDA oder Mein Schiff
AIDAprima im Dock MHI Japan

MHI: Bau der AIDA-Schiffe beschert Werft 1,47 Mrd. Euro Verlust

Der Bau der AIDAprima geht mit einem Jahr Verspätung langsam in die Endphase. Die ersten AIDA Cruises-Mitarbeiter sind bereits an Bord gegangen. In den nächsten Wochen wird sich das Schiff dann auf die Reise von Japan nach Hamburg machen. Am 30. April 2016 soll das Kreuzfahrtschiff dann erstmals mit Passagieren in See stechen.

Auf die AIDAprima wird 2017 noch ein Schwesterschiff folgen. Bisher werden hier seitens AIDA aber noch keine Kreuzfahrten angeboten und auch ein Name wurde noch nicht verkündet. Man wird hier wohl keine erneute Verschiebung riskieren wollen und mit der Vermarktung erst starten, wenn man sich des Termines sicher ist. (Wieder besseres Wissens, verwenden wir derzeit den Namen AIDAmia).

1,47 Milliarden Euro Verlust für die Bauwerft

Gebaut werden die beiden Kreuzfahrtschiffe von der japanischen Werft Mitsubishi Heavy Industries (MHI). Dort konnte man den Auftrag auch über einen guten Preis von 650 Millionen Euro pro Schiff für sich erringen. Da man zurück in den Kreuzfahrtschiffbau wollte, war ein Gewinn wohl nicht die Priorität. Die nun abzusehenden Verluste des Großauftrages hat man aber sicherlich auch nicht erwartet. Bis dato sollen 1,47 Milliarden Euro Verluste aufgelaufen sein. Diese Zahl wurde im Rahmen der Vorlage der Geschäftszahlen für die ersten 3 Monate des Geschäftsjahres gennant.

MHI nennt die Probleme beim Bau

Auch zu den Gründen der Verzögerungen gab es zu dieser Gelegenheit von Mitsubishi Heavy Industries ein paar klare Worte:

  • Fehleinschätzung der Machbarkeit, da man auch in der Vergangenheit schon Kreuzfahrtschiffe gebaut hat
  • Fehlendes Wissen und Erfahrung beim Planen und Design – insbesondere bei den öffentlichen Bereichen und den Klimaanlagen
  • Zu wenig Verständnis für die aktuellen technologischen Erwartungen (Bsp: Wlan in allen Kabinen)
  • Fehleinschätzung der eigenen Produktionsstätten sowie Qualität und Quantität der Arbeiter

Dies sind die massgeblichen Probleme direkt mit Beginn der Auftragsannahme. In ihrer Folge traten dann weitere Probleme auf. Hierzu gehört zum Beispiel mangelnde Kommunikation mit dem Auftraggeber und eine steigende Komplexität der Probleme. Ab Mitte 2013 wurden die Probleme dann wohl erkannt und man hat sehr aktiv damit begonnen, diesen entgegenzuwirken. So wurden mehr Spezialisten aus dem eigenem Konzern herangezogen und man hat sich auch Hilfe von Technikern aus Europa sowie vom Auftraggeber geholt.

MHI setzt sich mit den eigenen Fehler offensichtlich sehr intensiv auseinander und möchte hieraus für die Zukunft seine Lehren ziehen. Die folgenden vier Seiten aus einer Präsentation zeigen dies sehr deutlich auf:

MHI status of concern cruise ship business 1

Bei der folgenden Seite ist zu beachten, dass es sich hier jeweils um das Geschäftsjahr handelt. Das Geschäftsjahr 2015 von MHI endet erst Ende März 2016. Die Seite zeigt auch die bisher aufgelaufenen Verluste auf: 187,2 Milliarden Yen sind aktuell umgerechnet 1,47 Milliarden Euro.

MHI status of concern cruise ship business 2

MHI status of concern cruise ship business 3

MHI status of concern cruise ship business 4

Einschätzung

Das sind doch einige sehr interessante Einblicke in die Fehlentwicklunngen beim Bau der beiden Schiffe. Die Höhe des Verlustes ist mit Blick auf das ursprüngliche Bauvolumen natürlich erschreckend. Rechnet man den Preis von 650 Millionen Euro pro Schiff hinzu, so belaufen sich die Baukosten pro Schiff bereits auf deutlich über 1 Mrd. Euro. Nicht weniger interessant und fasst vorbildlich ist dann aber auch, wie MHI in Zukunft solch ein Desaster vermeiden möchte.

Zudem bestägtigt man noch einmal, dass der Indienststellung im April nichts mehr im Wege stehe. Einen Termine für das zweite Schiff nennt man hingegen nicht. Dies dürfte aber wohl im Laufe des kommenden Jahres in den Dienst gestellt werden. Dann wird es vielleicht eine Fahrt mit Passagieren von Japan nach Europa.

Wir freuen uns trotz dieser Probleme trotzdem auf zwei interessante neue Kreuzfahrtschiffe und ganzjährige Abfahrten ab Hamburg.

Die „unendliche“ Geschichte der AIDAprima:

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